
Legenden und Mythologie
Die mündliche Überlieferung auf Rapa Nui verwischt säuberliche westliche Kategorien – Migrationsepen, rivalisierende Clans und Geschichten aus der Zeit des Vogelmanns werden als 'a'amu bewahrt. Lesen Sie sie als indigenes Gedächtnis, nicht als Jahreszahlen aus dem Lehrbuch.
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Auf der Osterinsel wurden Geschichten mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Geschichte wird zur Legende, die Legende zum Mythos. All die verschiedenen Wörter, die wir heute dafür haben, fasst Rapa Nui in einem einzigen Wort zusammen: 'a'amu. Am Wahrheitsgehalt mancher dieser Geschichten zu zweifeln, ist ein modernes Phänomen. Bevor die heutige Gesellschaft die Osterinsel erreichte, galten sie alle als wahre Begebenheiten der Vergangenheit.
| Legende | Erläuterung | Sprache |
|---|---|---|
| Ereignisse vor der Auswanderung nach Rapa Nui | Eine weniger bekannte Legende darüber, warum die Siedler von Rapa Nui ihre ursprüngliche Heimat verließen. | Deutsch |
| Der Traum des Haumaka | König Hotu Matu'a floh aus Hiva auf der Suche nach einem neuen Land. | Deutsch |
| Hanau 'E'epe | Ankunft und Vernichtung der zweiten Einwanderungswelle auf Rapa Nui. | Deutsch & Rapa Nui |
| Moai kava-kava | König Tu'u Ko Ihu und die hölzernen Moai-Statuen. | Deutsch & Rapa Nui |
| Tod von Hotu Matu'a | Die letzten Taten von Hotu Matu'a. | Deutsch & Rapa Nui |
| Tangaroa und Hiro | König Tangaroa aus Hiva, der Rapa Nui in Gestalt einer Robbe erreichte. | Deutsch & Rapa Nui |
| Makemake erschafft den Menschen | Die Legende davon, wie der Mensch entstand. | Deutsch & Rapa Nui |
Ereignisse vor der Auswanderung nach Rapa Nui
Im Folgenden eine weniger bekannte Legende über die Ereignisse, die dazu führten, dass König Hotu Matu'a und sein Volk (später als Hanau Momoko bekannt) aus ihrer Heimat flohen, die hier Marae Toe Hau genannt wird und Teil des Landes Hiva war.
Aufgezeichnet wurde sie von William J. Thomson vom Schiff USS Mohican, der sich 1886 für 11 Tage auf Rapa Nui aufhielt. Thomsons Bericht über die Insel mit dem Titel Te Pito Te Henua Or Easter Island
erschien erstmals 1891.
Entweder der Erzähler oder der Dolmetscher hat die Himmelsrichtungen verwechselt, denn es heißt, die Siedler seien aus einem Land in Richtung der aufgehenden Sonne (Osten) gekommen – in dieser Richtung gibt es jedoch keine Inselgruppe, aus der diese Siedler stammen könnten. Zudem verorten andere Legenden Hiva meist in Richtung der untergehenden Sonne (Westen).
...(Die Überlieferung besagt), dass Hotu Matu'a und seine Gefolgsleute von einer Inselgruppe in Richtung der aufgehenden Sonne kamen und dass das Land Marae Toe Hau hieß, was wörtlich die Begräbnisstätte
bedeutet. In diesem Land war das Klima so überaus heiß, dass die Menschen bisweilen an den Folgen der Hitze starben, und zu gewissen Jahreszeiten wurden die Pflanzen und alles, was wuchs, von der sengenden Sonne verbrannt und verdorrt.
Die Umstände, die zur Auswanderung führten, werden folgendermaßen erzählt: Hotu Matu'a folgte seinem Vater nach, der ein mächtiger Häuptling gewesen war, doch seine Herrschaft im Land seiner Geburt währte infolge eines Zusammentreffens von Umständen, auf die er keinen Einfluss hatte, nur sehr wenige Jahre. Sein Bruder Machaa verliebte sich in eine Jungfrau, die für ihre Schönheit und Anmut berühmt war; doch in der Person des Oroi, des mächtigen Häuptlings eines benachbarten Clans, trat ein Nebenbuhler auf den Plan. Nach Art ihres Geschlechts zu allen Zeiten und unter allen Himmelsstrichen spielte diese dunkle Schönheit mit den Gefühlen ihrer Verehrer und erwies sich als wankelmütig. Als man sie drängte, zwischen den beiden zu wählen, verkündete sie, sie werde Oroi heiraten, sofern er seine Liebe durch eine Pilgerfahrt rund um die Insel beweise; und es wurde bestimmt, dass er ohne Unterlass gehen müsse, ohne zum Essen anzuhalten oder bei Tag oder Nacht zu rasten, bis die Umrundung der Insel vollendet sei. Gefolgsleute wurden ausgewählt, um Speisen für unterwegs zu tragen, und Oroi brach zu seiner Reise auf, auf den ersten Meilen begleitet von seiner Verlobten, die ihm beim Abschied versprach, ihre Gedanken bis zu seiner Rückkehr bei niemandem als bei ihm verweilen zu lassen. Noch am selben Abend brannte die Unbeständige mit ihrem anderen Geliebten, Machaa, durch. Oroi erfuhr davon erst, als er das andere Ende der Insel erreicht hatte; da kehrte er geradewegs nach Hause zurück, wo er ein großes Festmahl bereitete, zu dem er alle Krieger seines Clans rief. Die Schmach, die man ihm angetan hatte, wurde berichtet, und alle Anwesenden legten das Gelübde ab, nicht eher zu ruhen, bis Hotu Matu'a und seine ganze Familie getötet worden seien.
Machaa war, so scheint es, ein Mann von Umsicht; und da er sah, dass ein verzweifelter Kampf bevorstand, schiffte er sich mit sechs auserwählten Gefolgsleuten und seiner Braut in einem großen Doppelkanu ein und segelte mit reichlich Proviant bei Nacht davon, einem freundlicheren Himmelsstrich entgegen. Der große Geist Makemake soll ihm erschienen sein und ihm kundgetan haben, dass sich eine große, unbewohnte Insel finden lasse, wenn man auf die untergehende Sonne zusteuere. Nach zwei Monaten auf See kam das Land in Sicht, und das Kanu wurde an der Südseite der Insel auf den Strand gezogen. Am zweiten Tag nach ihrer Ankunft fanden sie am Strand bei Anakena eine Schildkröte, und einer der Männer wurde durch einen Schlag ihrer Flosse getötet, als er versuchte, sie umzudrehen. Zwei Monate nach ihrer Landung auf der Insel trafen die beiden Kanus mit Hotu Matu'a und seinen Gefolgsleuten ein, dreihundert an der Zahl.
Machaas Flucht besänftigte Orois Zorn nicht, und der Krieg auf Leben und Tod wurde fortgeführt, bis Hotu Matu'a, in drei großen Schlachten geschlagen, in die äußerste Bedrängnis geriet. Entmutigt durch sein Unglück und überzeugt, dass ihm am Ende Gefangennahme und Tod gewiss seien, beschloss er, von der Insel Marae Toe Hau zu fliehen, und ließ zu diesem Zweck zwei große Kanus von 90 Fuß Länge und 6 Fuß Tiefe mit Proviant beladen und für eine lange Reise rüsten. In der Nacht, am Vorabend einer weiteren Schlacht, segelten sie davon – in dem Einverständnis, dass die untergehende Sonne ihr Kompass sein sollte.
Wie es scheint, wurde die geplante Flucht Hotu Matu'as im letzten Augenblick von Oroi entdeckt, und dieser tatkräftige Mann schmuggelte sich, als Diener verkleidet, an Bord eines der Kanus. Nach der Ankunft auf der Insel verbarg er sich zwischen den Felsen von Orongo und setzte seine Rache fort, indem er jeden Schutzlosen ermordete, der ihm über den Weg lief. Dieser bemerkenswerte Zustand hielt mehrere Jahre an, doch schließlich wurde Oroi in einem Netz gefangen, das Hotu Matu'a nach ihm warf, und zu Tode geschlagen.
Der Traum des Haumaka
Chaos grollte über Hiva, und die Insel drohte zu zerbrechen. Die Nacht war gekommen, und im Schlaf ließ der Priester Haumaka seinen Geist frei umherfliegen, um ein neues Land zu suchen. Von Weitem sah er die Grenzen der Wolken über dem Ozean [wer auf dem Meer nach einer Insel sucht, sieht zuerst die Wolkenformationen über ihr]. Er sah den Nebel von unten aufsteigen. Er landete zwischen den Grenzen der Wolken und sprach: Hier ist ein guter Ort, an dem der König leben kann
.
Der Geist des Haumaka zog weiter. Er sah drei Inselchen vor der Hauptinsel und sprach: Ahh, hier sind die Inselchen – Motu Nui, Motu 'Iti und Motu Kao-Kao. Sie sind die Menschen aus den alten Zeiten von Ta'aŋa und Haumaka aus Hiva
.
Er stieg auf den Pū Mahore und sprach: Dies ist der Pū Mahore des Haumaka aus Hiva
. Der Geist gelangte auf den Gipfel, spürte die erfrischenden Winde, die vom Vulkankrater heraufwehten, und sprach: Dies ist Puku 'Uri [‚Schwarzer Fels‘] des Haumaka aus Hiva
.
Der Geist ging weiter und benannte die Orte der Insel. Er erreichte den Hügel in der Mitte und sprach: Dies ist der Nabel dieses Landes, auf dem Gipfel dieses Hügels
. Er tat einen Schritt auf den Gipfel des Hügels. Er schaute, er ließ seine Augen dem Land folgen, er sprach: Dies ist Ma'uŋa Terevaka [‚Hügel des fahrenden Bootes‘]. Der Name kommt nicht daher, dass ein Boot fährt. Wenn ein Mensch den Gipfel dieses Hügels erreicht, dann ist es das, was er sieht, denn es sind unsere Augen, wir sind es, die das Boot sind
.
Der Geist kehrt nach Hiva zurück, und Haumaka erwacht. Er sendet eine Botschaft an 'Ira, Rapareŋa, Mako'i, U'uri, Ku'u-Ku'u aus Huatava, Riŋi-Riŋi aus Huatava und an Nonoma aus Huatava. Sie versammeln sich bei Haumaka, und er sagt zu ihnen: Geht und sucht das Land, in dem der König leben kann, am fernen Horizont, wo das Land unter den Wolken in Nebel gehüllt ist
.
Die sieben Kundschafter machten sich auf die Suche nach dem neuen Land. Nur kurz darauf folgte ihnen ihr König Hotu Matu'a mit dem Rest seines Volkes. Als der König ankam, rieten ihm die sieben Kundschafter, die das Land bereits erkundet hatten, wo er am besten an Land gehen sollte – an einem breiten Strand. Dieser Strand sollte als Haŋa rau o te 'ariki bekannt werden – Die Bucht des Königs
–, wo der König sein erstes Haus errichtete.
Ankunft und Vernichtung der Hānau 'E'epe
Aufgezeichnet von Sebastián Englert
Korrigiert und in Rapa Nui abgetippt von Paulus Kieviet im Jahr 2008
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky und Maria Teresa Ika Pakarati im Jahr 2012
Woher kommen diese Männer? Das Ohrläppchen ist auffällig:hānau 'e'epewegen der Länge des Ohrläppchens!
¿O hē te taŋata era? 'Ai te 'epe:hānau 'e'epe'o 'epe ro-roa!
Wir wollen nicht.
'Ina kai haŋa mātou.
Wie gelangt man zu den hānau 'e'epe?
¿Pē hē ana rava'a mai i te hānau 'e'epe?.
Beobachtet mich genau; wenn ich sitze, wenn ich einen Beutel nähe, dann schlafen sie; schickt die Krieger vor.
E u'i atu te mata ki a au; ana noho mai au, ana raraŋa mai au i te kete, ku ha'uru 'ā (te hānau 'e'epe); ka oho atu te tau'a.
Abgemacht.
Bringt die Krieger von hinten nach vorn, bringt die Krieger von der Seite nach vorn, von Te Hakarava, bringt die Krieger von der anderen Seite nach vorn, von Mahatua; sie trafen sich in der Mitte.
¡Orro, orro, orro!.
¡Orro, orro, orro!.
Lasst diesen Einwanderer fliehen, damit sein Volk Nachkommen hat!
Ka haka rere atu te hō'ou mo haka rahi o tō'ona o te mahiŋo!.
König Tu'u Ko Ihu und die Moai kava-kava
Aufgezeichnet von Sebastián Englert
Korrigiert und in Rapa Nui abgetippt von Paulus Kieviet im Jahr 2008
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky im Jahr 2013

Abgesehen von König Hotu Matu'a sind die meisten Könige der Osterinsel recht unbekannt. König Tu'u Ko Ihu ist eine Ausnahme. Berühmt gemacht hat ihn vor allem die Erfindung der sogenannten Moai kava-kava (Rippen-Moai
) – nackte Holzstatuen, deren Knochen hervortreten. Dies ist die Legende darüber, wie alles geschah.
Wacht auf, der König hat eure elenden Leiber gesehen.
Ka 'ara kōrua, ku tike'a 'ā to kōrua ika kino e te 'ariki.
Wacht auf, ihr Schläfer!.
¡Ka 'ara, rava hā'uru kē, kōrua!.
Was?
¿Pē hē rā?.
Tu'u Ko Ihu hat eure elenden Leiber gesehen.
Ku tike'a 'ā to kōrua ika kino e Tu'u Ko Ihu.
Sei gegrüßt, o König! Willkommen, o König!
¡'Auē te 'ariki ē! ¡Ka oho mai e te 'ariki ē!.
Gleichfalls, liebe Freunde!.
¡Ko kōrua 'ā, ko māhaki!.
Was hast du gefunden, als du hierherkamst?
¿Pē hē ta'a me'e piri, i oho mai ena koe?.
Nichts.
'Ina.
Sei gegrüßt, lieber König, sei willkommen!.
Gleichfalls, Burschen, kommt doch näher!
¡Ko kōrua 'ana ko ŋā kope, ka oho mai!.
Ay, ay, ay, ay; das, was du weißt!
Nein, ich weiß nichts.
'Ina, 'ina he me'e ma'a.
Hast du wirklich nichts gefunden, o König, als du hierherkamst?
¿'Ina 'ō he me'e piri ki a koe e te 'ariki ē, i oho mai ena koe?.
Nein.
'Ina.
Willkommen, lieber König!
¡Ka oho mai, 'auē te 'ariki ē!.
Gleichfalls.
Ko kōrua 'ana.
Bist du keinen Burschen begegnet, als du hierherkamst?
¿'Ina ŋā io i piri atu ki a koe, i oho mai ena e te 'ariki ē?.
Nein.
'Ina.
Er hat unsere elenden Leiber nicht gesehen.
'Ina kai tike'a to tātou ika kino.
Sei gegrüßt, lieber König! Willkommen zurück aus deinem Land, aus Tore Tahuna!
¡'Auē te 'ariki ē, e Tu'u Ko Ihu ē, ka oho mai mai to'u kāiŋa, mai Tore Tahuna!.
Gleichfalls, liebe Leute!
¡Ko kōrua 'ā, ka oho mai, 'auē, te mahiŋo ē!.
Bist du niemandem begegnet, lieber König?
¿'Ina 'ā me'e i piri ki a koe e te 'ariki ē?.
Nein.
'Ina.
Er hat die elenden Leiber von Hitirau und Nuko te Maŋō nicht gesehen; lasst uns diesen Ort verlassen.
'Ina kai tike'a te ika kino o Hitirau, o Nuko te Maŋō; matu tātou ki oho rō.
He, lieber König, nimm das und iss!.
Willkommen, Freundinnen, ihr schönen Freundinnen mit reinem Herzen!
Dem König ebenso.
Ko te 'ariki 'ana.
Wohin geht ihr, Freundinnen?
¿Ki hē kōrua ko ŋā kope?.
Zu dir, o König!.
Wie heißt ihr?.
¿Ko ai to kōrua 'īŋoa?.
Ich bin Pa'a-pa'a Hiro.
Au ko Pa'a-pa'a Hiro.
Pa'a-pa'a Kiraŋi.
Pa'a-pa'a Kiraŋi.
To'o Tahe Turu mai te Raŋi.
Ko To'o Tahe Turu mai te Raŋi.
Diese müssen mit mir kommen; gießt Wasser über sie!
¡Ka oho te me'e era ka pū-pū [txt: pūpú "rociar" - should this be rū-rū, or pī-pī?] hai vai!.
Das Haus, in dem die Moai zum Gehen gebracht werden.
Ko te hare haka ha'ere mōai.
Der Tod von König Hotu Matu'a
Aufgezeichnet von Sebastián Englert
Korrigiert und in Rapa Nui abgetippt von Paulus Kieviet im Jahr 2008
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky im Jahr 2013
Te Vare te Reiŋataki.
Te Vare te Reiŋataki.
Kommt näher, ich sterbe.
Ka oho mai kōrua ananake, he mate au.
Wer bist du?.
¿Ko ai koe?.
Ich bin es – Tu'u Maheke.
Ko au nei, ko Tu'u Maheke.
Nichts wird dir je etwas anhaben, mein Erstgeborener! Viel ist der Sand in Anakena, in deinem Land. Viele sind die Flöhe in deinem Land.2
¡'Ina koe e ko rava'a, e te 'atariki ē! 'One nui 'i 'Anakena, 'i tō'ou kāiŋa, kō'ura nui 'i tō'ou kāiŋa.
Wer bist du?.
¿Ko ai koe?.
Ich bin es, Miru te Matanui, Sohn von Hotu Matu'a.
Nichts wird dir je etwas anhaben, damit du für dein Volk sorgen kannst.
'Ina koe e ko rava'a, mo rō'ou o tō'ou mahiŋo.
Wer bist du?.
¿Ko ai koe?.
Ich bin es, Tu'u te Matanui, Sohn von Hotu Matu'a.
Ko au nei, ko Tu'u te Matanui 'a Hotu Matu'a.
Nichts wird dir je etwas anhaben. Viele sind die Kiesel in Hanga Tepau, viele sind die Muscheln in Te Hue..
'Ina koe e ko rava'a, kī-kiri nui 'i Haŋa Tepau, pipi nui 'i Te Hue.
Wer bist du?.
¿Ko ai koe?.
Ich bin es, Hotu 'Iti te Mata'iti, Sohn von Hotu Matu'a.
Ko au, ko Hotu 'Iti te Mata'iti 'a Hotu Matu'a.
Nichts wird dir je etwas anhaben, lieber Hotu 'Iti, lieber te Mata'iti, Sohn von Hotu Matu'a! Es gibt niuhi tapaka'i in Motu Tōremo in Hiva und in deinem Land!.3
Setzt euch hierher, meine Söhne, an mein Haupt, an meine Füße und an meine Seite.
Ka no-noho mai kōrua tā'aku ŋā poki, 'i tō'oku pu'oko, 'i tō'oku va'e, 'i te kao-kao.
Geh nach Huareva und hole das letzte Wasser, das ich je trinken werde. Wenn ich dieses Wasser trinke, werde ich sterben.
Ka oho koe ki Huareva4 ki te vai mouŋa mā'aku mo unu. Ana unu au i te vai era, he mate au.
Helft mir beim Trinken!.
¡Ka haka unu mai!.
Lasst eure Ohren meine letzten Worte hören; ich werde nach Hiva rufen – zu unserer Heimat und ihrem König.
Ka haka roŋo mai to kōrua tariŋa ki tā'aku vānaŋa mouŋa; he raŋi au ki Hiva, ki te kāiŋa, ki te 'ariki.
Oh, Kuihi und Kuaha! Singt mir etwas mit der Stimme des Hahns von Ariaŋe!.
¡E Kuihi, e Kuaha! ¡Ka haka 'o'oa 'iti-'iti mai koe i te re'o o te moa o Ariaŋe!.
'O'oa take heu-heu.
'O'oa take heu-heu.
1) Im Original steht mauŋa (Hügel/Berg/Vulkan), gemeint ist aber wahrscheinlich mouŋa (letztes).
2) Die „Flöhe“ sind im übertragenen Sinne gemeint, so wie bei „kō'ura tere henua“ (auf der Erde wandelnde Flöhe) – gemeint sind wir Menschen, die über die Erde gehen. König Hotu Matu'a meint, dass das Volk von Tu'u Maheke so zahlreich sein wird wie die Sandkörner in Anakena.
3) Ein niuhi ist eine Fischart, die ungewöhnlich mutig ist. Die Bedeutung des Wortes tapaka'i ist unbekannt. Offenbar vergleicht der König seinen jüngsten Sohn mit diesem mutigen Fisch und sagt, dass es ihn in dem Teil von Rapa Nui gibt, der Hotu 'Iti heißt – dem Land, das diesem gleichnamigen Sohn zugeteilt wurde.
4) Huareva ist ein Ort zwischen 'Akahaŋa und Vaihū, an dem ein Brunnen gegraben worden war.
König Tangaroa aus Hiva, der als Robbe nach Rapa Nui kam, und sein Bruder Hiro
Aufgezeichnet von Fritz Felbermayer
Korrigiert und in Rapa Nui abgetippt von Paulus Kieviet im Jahr 2008
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky im Jahr 2013
Tangaroa ist eine Gestalt, die in mehreren polynesischen Kulturen vorkommt. In den Legenden von Rapa Nui erscheint er als König aus Hiva, der das Land Rapa Nui in Gestalt einer Robbe erreicht. Er hat einen Bruder namens Hiro. Beide Brüder besitzen starke magische Kräfte.
Ich werde als Thunfisch ins Meer gehen. Ich werde in ein neues Land ziehen, um dort als König zu herrschen.
He uru au ki roto i te vaikava pa he kahi. He oho au ki te henua e tahi mo 'ariki.
Geh nicht in ein fernes Land, sonst wirst du sterben.
'Ina koe ko oho ki te henua roa 'o mate rō.
Nein. Ich werde dieses Land erreichen und noch am selben Tag zurückkehren, wenn sie mich nicht mögen.
'Ina. E tu'u nō ki rā henua mo oho e hoki mai 'anīrā nei 'ā, ana ta'e haŋa mai ki a au.
Eine Robbe ist vor dem Ahu Tongariki hereingeschwommen. Sie hat den Körper einer Robbe, den Schwanz einer Robbe, den Kopf eines Menschen und die Hände eines Menschen.
Ku tomo 'ā te pakia a mu'a i te ahu Toŋariki. Hakari pakia, hiku pakia, pū'oko taŋata, rima taŋata.
Ich bin keine Robbe. Tötet mich nicht. Ich bin ein König namens Tangaroa.
Ta'e au he pakia. 'Ina ko tiŋa'i mai. He 'ariki au ko Taŋaroa.
Es ist eine Robbe mit der Stimme eines Menschen.
Pakia re'o taŋata.
Jetzt ist es wirklich klar – er war ein König. Er war Tangaroa, keine Robbe; das Fleisch wird nicht gar.
He aŋi mau 'ā pē nei ē: he 'ariki. Ko Taŋaroa, ta'e he pakia; te kiko kai 'ō'otu.
Wo ist mein Bruder Tangaroa?
¿'I hē tō'oku taina ko Taŋaroa?
Makemake erschafft den Menschen
Aufgezeichnet von Sebastian Englert
Erzählt von Arturo Teao Tori
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky im Jahr 2014
Dies ist die Legende davon, wie der Gott Makemake den Menschen erschuf.