Legenden und Mythologie

Die mündliche Überlieferung auf Rapa Nui verwischt säuberliche westliche Kategorien – Migrationsepen, rivalisierende Clans und Geschichten aus der Zeit des Vogelmanns werden als 'a'amu bewahrt. Lesen Sie sie als indigenes Gedächtnis, nicht als Jahreszahlen aus dem Lehrbuch.

Auf dieser Seite
  1. Ereignisse vor der Auswanderung nach Rapa Nui
  2. Der Traum des Haumaka
  3. Ankunft und Vernichtung der Hānau 'E'epe
  4. König Tu'u Ko Ihu und die Moai kava-kava
  5. Der Tod von König Hotu Matu'a
  6. König Tangaroa aus Hiva, der als Robbe nach Rapa Nui kam, und sein Bruder Hiro
  7. Makemake erschafft den Menschen

Auf der Osterinsel wurden Geschichten mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Geschichte wird zur Legende, die Legende zum Mythos. All die verschiedenen Wörter, die wir heute dafür haben, fasst Rapa Nui in einem einzigen Wort zusammen: 'a'amu. Am Wahrheitsgehalt mancher dieser Geschichten zu zweifeln, ist ein modernes Phänomen. Bevor die heutige Gesellschaft die Osterinsel erreichte, galten sie alle als wahre Begebenheiten der Vergangenheit.

LegendeErläuterungSprache
Ereignisse vor der Auswanderung nach Rapa NuiEine weniger bekannte Legende darüber, warum die Siedler von Rapa Nui ihre ursprüngliche Heimat verließen.Deutsch
Der Traum des HaumakaKönig Hotu Matu'a floh aus Hiva auf der Suche nach einem neuen Land.Deutsch
Hanau 'E'epeAnkunft und Vernichtung der zweiten Einwanderungswelle auf Rapa Nui.Deutsch & Rapa Nui
Moai kava-kavaKönig Tu'u Ko Ihu und die hölzernen Moai-Statuen.Deutsch & Rapa Nui
Tod von Hotu Matu'aDie letzten Taten von Hotu Matu'a.Deutsch & Rapa Nui
Tangaroa und HiroKönig Tangaroa aus Hiva, der Rapa Nui in Gestalt einer Robbe erreichte.Deutsch & Rapa Nui
Makemake erschafft den MenschenDie Legende davon, wie der Mensch entstand.Deutsch & Rapa Nui

Ereignisse vor der Auswanderung nach Rapa Nui

Im Folgenden eine weniger bekannte Legende über die Ereignisse, die dazu führten, dass König Hotu Matu'a und sein Volk (später als Hanau Momoko bekannt) aus ihrer Heimat flohen, die hier Marae Toe Hau genannt wird und Teil des Landes Hiva war.

Aufgezeichnet wurde sie von William J. Thomson vom Schiff USS Mohican, der sich 1886 für 11 Tage auf Rapa Nui aufhielt. Thomsons Bericht über die Insel mit dem Titel Te Pito Te Henua Or Easter Island erschien erstmals 1891.

Entweder der Erzähler oder der Dolmetscher hat die Himmelsrichtungen verwechselt, denn es heißt, die Siedler seien aus einem Land in Richtung der aufgehenden Sonne (Osten) gekommen – in dieser Richtung gibt es jedoch keine Inselgruppe, aus der diese Siedler stammen könnten. Zudem verorten andere Legenden Hiva meist in Richtung der untergehenden Sonne (Westen).

...(Die Überlieferung besagt), dass Hotu Matu'a und seine Gefolgsleute von einer Inselgruppe in Richtung der aufgehenden Sonne kamen und dass das Land Marae Toe Hau hieß, was wörtlich die Begräbnisstätte bedeutet. In diesem Land war das Klima so überaus heiß, dass die Menschen bisweilen an den Folgen der Hitze starben, und zu gewissen Jahreszeiten wurden die Pflanzen und alles, was wuchs, von der sengenden Sonne verbrannt und verdorrt.

Die Umstände, die zur Auswanderung führten, werden folgendermaßen erzählt: Hotu Matu'a folgte seinem Vater nach, der ein mächtiger Häuptling gewesen war, doch seine Herrschaft im Land seiner Geburt währte infolge eines Zusammentreffens von Umständen, auf die er keinen Einfluss hatte, nur sehr wenige Jahre. Sein Bruder Machaa verliebte sich in eine Jungfrau, die für ihre Schönheit und Anmut berühmt war; doch in der Person des Oroi, des mächtigen Häuptlings eines benachbarten Clans, trat ein Nebenbuhler auf den Plan. Nach Art ihres Geschlechts zu allen Zeiten und unter allen Himmelsstrichen spielte diese dunkle Schönheit mit den Gefühlen ihrer Verehrer und erwies sich als wankelmütig. Als man sie drängte, zwischen den beiden zu wählen, verkündete sie, sie werde Oroi heiraten, sofern er seine Liebe durch eine Pilgerfahrt rund um die Insel beweise; und es wurde bestimmt, dass er ohne Unterlass gehen müsse, ohne zum Essen anzuhalten oder bei Tag oder Nacht zu rasten, bis die Umrundung der Insel vollendet sei. Gefolgsleute wurden ausgewählt, um Speisen für unterwegs zu tragen, und Oroi brach zu seiner Reise auf, auf den ersten Meilen begleitet von seiner Verlobten, die ihm beim Abschied versprach, ihre Gedanken bis zu seiner Rückkehr bei niemandem als bei ihm verweilen zu lassen. Noch am selben Abend brannte die Unbeständige mit ihrem anderen Geliebten, Machaa, durch. Oroi erfuhr davon erst, als er das andere Ende der Insel erreicht hatte; da kehrte er geradewegs nach Hause zurück, wo er ein großes Festmahl bereitete, zu dem er alle Krieger seines Clans rief. Die Schmach, die man ihm angetan hatte, wurde berichtet, und alle Anwesenden legten das Gelübde ab, nicht eher zu ruhen, bis Hotu Matu'a und seine ganze Familie getötet worden seien.

Machaa war, so scheint es, ein Mann von Umsicht; und da er sah, dass ein verzweifelter Kampf bevorstand, schiffte er sich mit sechs auserwählten Gefolgsleuten und seiner Braut in einem großen Doppelkanu ein und segelte mit reichlich Proviant bei Nacht davon, einem freundlicheren Himmelsstrich entgegen. Der große Geist Makemake soll ihm erschienen sein und ihm kundgetan haben, dass sich eine große, unbewohnte Insel finden lasse, wenn man auf die untergehende Sonne zusteuere. Nach zwei Monaten auf See kam das Land in Sicht, und das Kanu wurde an der Südseite der Insel auf den Strand gezogen. Am zweiten Tag nach ihrer Ankunft fanden sie am Strand bei Anakena eine Schildkröte, und einer der Männer wurde durch einen Schlag ihrer Flosse getötet, als er versuchte, sie umzudrehen. Zwei Monate nach ihrer Landung auf der Insel trafen die beiden Kanus mit Hotu Matu'a und seinen Gefolgsleuten ein, dreihundert an der Zahl.

Machaas Flucht besänftigte Orois Zorn nicht, und der Krieg auf Leben und Tod wurde fortgeführt, bis Hotu Matu'a, in drei großen Schlachten geschlagen, in die äußerste Bedrängnis geriet. Entmutigt durch sein Unglück und überzeugt, dass ihm am Ende Gefangennahme und Tod gewiss seien, beschloss er, von der Insel Marae Toe Hau zu fliehen, und ließ zu diesem Zweck zwei große Kanus von 90 Fuß Länge und 6 Fuß Tiefe mit Proviant beladen und für eine lange Reise rüsten. In der Nacht, am Vorabend einer weiteren Schlacht, segelten sie davon – in dem Einverständnis, dass die untergehende Sonne ihr Kompass sein sollte.

Wie es scheint, wurde die geplante Flucht Hotu Matu'as im letzten Augenblick von Oroi entdeckt, und dieser tatkräftige Mann schmuggelte sich, als Diener verkleidet, an Bord eines der Kanus. Nach der Ankunft auf der Insel verbarg er sich zwischen den Felsen von Orongo und setzte seine Rache fort, indem er jeden Schutzlosen ermordete, der ihm über den Weg lief. Dieser bemerkenswerte Zustand hielt mehrere Jahre an, doch schließlich wurde Oroi in einem Netz gefangen, das Hotu Matu'a nach ihm warf, und zu Tode geschlagen.

Der Traum des Haumaka

Chaos grollte über Hiva, und die Insel drohte zu zerbrechen. Die Nacht war gekommen, und im Schlaf ließ der Priester Haumaka seinen Geist frei umherfliegen, um ein neues Land zu suchen. Von Weitem sah er die Grenzen der Wolken über dem Ozean [wer auf dem Meer nach einer Insel sucht, sieht zuerst die Wolkenformationen über ihr]. Er sah den Nebel von unten aufsteigen. Er landete zwischen den Grenzen der Wolken und sprach: Hier ist ein guter Ort, an dem der König leben kann.

Der Geist des Haumaka zog weiter. Er sah drei Inselchen vor der Hauptinsel und sprach: Ahh, hier sind die Inselchen – Motu Nui, Motu 'Iti und Motu Kao-Kao. Sie sind die Menschen aus den alten Zeiten von Ta'aŋa und Haumaka aus Hiva.

Er stieg auf den Pū Mahore und sprach: Dies ist der Pū Mahore des Haumaka aus Hiva. Der Geist gelangte auf den Gipfel, spürte die erfrischenden Winde, die vom Vulkankrater heraufwehten, und sprach: Dies ist Puku 'Uri [‚Schwarzer Fels‘] des Haumaka aus Hiva.

Der Geist ging weiter und benannte die Orte der Insel. Er erreichte den Hügel in der Mitte und sprach: Dies ist der Nabel dieses Landes, auf dem Gipfel dieses Hügels. Er tat einen Schritt auf den Gipfel des Hügels. Er schaute, er ließ seine Augen dem Land folgen, er sprach: Dies ist Ma'uŋa Terevaka [‚Hügel des fahrenden Bootes‘]. Der Name kommt nicht daher, dass ein Boot fährt. Wenn ein Mensch den Gipfel dieses Hügels erreicht, dann ist es das, was er sieht, denn es sind unsere Augen, wir sind es, die das Boot sind.

Der Geist kehrt nach Hiva zurück, und Haumaka erwacht. Er sendet eine Botschaft an 'Ira, Rapareŋa, Mako'i, U'uri, Ku'u-Ku'u aus Huatava, Riŋi-Riŋi aus Huatava und an Nonoma aus Huatava. Sie versammeln sich bei Haumaka, und er sagt zu ihnen: Geht und sucht das Land, in dem der König leben kann, am fernen Horizont, wo das Land unter den Wolken in Nebel gehüllt ist.

Die sieben Kundschafter machten sich auf die Suche nach dem neuen Land. Nur kurz darauf folgte ihnen ihr König Hotu Matu'a mit dem Rest seines Volkes. Als der König ankam, rieten ihm die sieben Kundschafter, die das Land bereits erkundet hatten, wo er am besten an Land gehen sollte – an einem breiten Strand. Dieser Strand sollte als Haŋa rau o te 'ariki bekannt werden – Die Bucht des Königs –, wo der König sein erstes Haus errichtete.

Ankunft und Vernichtung der Hānau 'E'epe

Aufgezeichnet von Sebastián Englert
Korrigiert und in Rapa Nui abgetippt von Paulus Kieviet im Jahr 2008
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky und Maria Teresa Ika Pakarati im Jahr 2012

Deutsch
Rapa Nui
Hotu Matu'a lebte nicht mehr, als die hānau 'e'epe in diesem Land waren.
'Ina Hotu Matu'a i ai ai te hānau 'e'epe 'i te kāiŋa nei.
Der König dieses Landes zu der Zeit, als die hānau 'e'epe hier waren, war Tu'u ko Ihu.
Te 'ariki o nei i ai ai te hānau 'e'epe, ko Tu'u ko Ihu.
Zu der Zeit, als die hānau 'e'epe hier waren, sagten die hānau mo-moko:
I ai era te hānau 'e'epe, he kī te hānau mo-moko:
Woher kommen diese Männer? Das Ohrläppchen ist auffällig: hānau 'e'epe wegen der Länge des Ohrläppchens!
¿O hē te taŋata era? 'Ai te 'epe: hānau 'e'epe 'o 'epe ro-roa!
Es gab keine Frauen der hānau 'e'epe, nur Männer; sie waren viele und wurden über die Generationen immer mehr.
'Ina he vi'e hānau 'e'epe, he taŋata nō; ka rau, ka rau, ka pīere, ka pīere.
Die hānau 'e'epe wohnten auf Poike.
Te kona noho o te hānau 'e'epe 'i Pōike.
Die hānau 'e'epe waren fleißige Steinarbeiter.
Te hānau 'e'epe taŋata rava keu-keu i te pureva.
Sie forderten die hānau mo-moko auf, die Steine, die überall im Land lagen, ins Meer zu werfen.
I kī ki te hānau mo-moko mo hoa i te pureva o ruŋa o te kāiŋa nei ki haho ki te tai.
Die hānau mo-moko sagten: Wir wollen nicht.
He kī te hānau mo-moko: 'Ina kai haŋa mātou.
Die hānau 'e'epe warfen die Steine von Pōike ins Meer, um das Land zu säubern.
O te hānau 'e'epe he hoa i te pureva mai Pōike ki tai mo haka tī-tika o te kāiŋa.
Der Wunsch der hānau 'e'epe war es, dieses Land zu besitzen.
Te haŋa o te hānau 'e'epe mō'ona te kāiŋa nei.
Die hānau mo-moko sagten: „Nein, wir haben dieses Land entdeckt, und unser König Hotu Matu'a ist ein hānau mo-moko.
He kī te hānau mo-moko: "'Ina, a mātou i tike'a te kāiŋa nei, to mātou 'ariki ko Hotu Matu'a he hānau mo-moko.
Der König ist nicht von eurem Geschlecht, nicht von den hānau 'e'epe.
'Ina o kōrua 'ariki, o te hānau 'e'epe.
Wir werden unser Land nicht hergeben“.
'Ina mātou e ko va'ai atu i to mātou kāiŋa nei".
Die hānau 'e'epe wurden zornig, und der Krieg begann.
He kava te manava o te hānau 'e'epe, he pae te tau'a.
Sie gruben einen Graben von Te Hakarava bis Mahatua.
He keri i te rua mai Te Hakarava ki Mahatua.
Iko war der König der hānau 'e'epe.
He 'ariki o te hānau 'e'epe ko Iko.
Er warf Holz in den Graben, er verbrannte es.
He to'o mai i te hahie, he hoa ki raro ki te rua, he tutu.
Die hānau 'e'epe gruben einen Graben für die hānau mo-moko, um alle zusammenzutreiben, sie in den Graben hinabzuwerfen, die hānau mo-moko kommen zu lassen, damit nur noch die hānau 'e'epe existierten, damit das Land nur ihnen gehörte.
O te hānau 'e'epe i keri ai i te rua mo te hānau mo-moko, mo patu mai, mo hoa ki raro ki te rua, mo pae o te hānau mo-moko, ki noho e hānau 'e'epe nō, ki noho te kāiŋa ki a rāua.
Eine Frau der hānau mo-moko wurde von den hānau 'e'epe geholt, um für die hānau 'e'epe, die oben auf Poike wohnten, zu kochen (ta'o: unter der Erde garen).
E tahi hānau mo-moko vi'e i to'o e te hānau 'e'epe mo ta'o o te kai o te hānau 'e'epe e noho era 'i ruŋa i Pōike.
Eine Seite des Feuers war für die hānau 'e'epe, die höhere Seite; eine Seite des Feuers war für die hānau mo-moko, die niedrigere Seite.
E tahi tapa o te ahi 'i te hānau 'e'epe, tapa ruŋa; e tahi tapa o te ahi 'i te hānau mo-moko, tapa raro.
Diese Frau, die Moko Pīŋe'i hieß, weinte um ihr Volk, denn sie würden zu einem Teil der hānau mo-moko werden.
He taŋi ta'u vi'e era, ko Moko Pīŋe'i te 'īŋoa, mo tō'ona taŋata, mo taŋata mo te hānau mo-moko.
Sie versteckte sich in der Nacht an der Küste. Sie ging hinauf und traf die hānau mo-moko; sie begrüßten einander und weinten.
He piko mai 'i te pō a te taha-taha o te tai, he e'a mai ki ruŋa, he piri ki te hānau mo-moko; he 'aroha, he ta-taŋi.
Die hānau mo-moko sagten zu Moko Pīŋe'i:
He kī te hānau mo-moko ki a Moko Pīŋe'i:
Wie gelangt man zu den hānau 'e'epe?
¿Pē hē ana rava'a mai i te hānau 'e'epe?.
Moko Pīŋe'i sagte zu den hānau mo-moko:
He kī Moko Pīŋe'i ki te hānau mo-moko:
Beobachtet mich genau; wenn ich sitze, wenn ich einen Beutel nähe, dann schlafen sie; schickt die Krieger vor.
E u'i atu te mata ki a au; ana noho mai au, ana raraŋa mai au i te kete, ku ha'uru 'ā (te hānau 'e'epe); ka oho atu te tau'a.
Die hānau mo-moko sagten: Abgemacht.
He kī te hānau mo-moko: "Ku mao 'ā".
Moko Pīŋe'i kehrte zum Haus der hānau 'e'epe zurück.
He hoki Moko Pīŋe'i ki te hare o te hānau 'e'epe, he noho.
Am nächsten Tag sahen die hānau mo-moko Moko Pīŋe'i sitzen und einen Beutel nähen.
'I te rua ra'ā he u'i atu te hānau mo-moko, ku noho mai 'ā Moko Pīŋe'i, ku raraŋa mai 'ā i te kete.
Die hānau mo-moko gingen an der Küste entlang, sie kamen nach Te Hakarava und versperrten den Weg.
He oho atu te hānau mo-moko a tai 'ā, he vari mai ki Te Hakarava, he puru i te ara.
Einige wenige hānau mo-moko gingen voraus, um sich den hānau 'e'epe zu zeigen.
He noho atu tētahi hānau mo-moko 'i mu'a mo haka tikera ki te hānau 'e'epe.
Die hānau 'e'epe kamen hervor, sie brachten die Krieger zu den hānau mo-moko und zeigten sich vor dem Feuer.
He e'a mai te hānau 'e'epe, he taū i te tau'a ki te hānau mo-moko haka tikera atu a mu'a o te ahi.
Die Krieger der hānau mo-moko näherten sich von hinten auf beiden Seiten; die hānau 'e'epe sahen es nicht, ständig erzürnt über die hānau mo-moko vor ihnen.
He e'a mai te tau'a o tu'a, o te kao-kao, o te rua kao-kao; kai tikera e te hānau 'e'epe, 'ai ka taū nō te tau'a ki te hānau mo-moko o mu'a.
Die hānau 'e'epe blickten zurück und sahen, dass die hānau mo-moko den Weg versperrt hatten.
'Ī ka hārui atu ena te hānau 'e'epe, ku puru 'ā te ara o te tau'a, ko te hānau mo-moko.
Sie sahen die hānau mo-moko hinter sich; die hānau mo-moko hörten nicht hin, sie hatten keine Angst, sondern stellten sich ihnen entgegen; Bringt die Krieger von hinten nach vorn, bringt die Krieger von der Seite nach vorn, von Te Hakarava, bringt die Krieger von der anderen Seite nach vorn, von Mahatua; sie trafen sich in der Mitte.
He rori te 'āriŋa ki te hānau mo-moko a tu'a; 'ina kai haka roŋo te hānau mo-moko, kai mataku, he patu mai; ka oho mai te tau'a a tu'a, ka oho mai te tau'a o te kao-kao, o Te Hakarava, ka oho atu te tau'a o te rua kao-kao, o Mahatua; vāeŋa i piri ai.
Als die hānau 'e'epe ankamen, trieben sie sie in die Gruben; wie Steine wurden sie ins Feuer geworfen, in Ikos Graben.
He pahu-pahu te hānau 'e'epe a ohoŋa mai era; pa he tuna 'ā he hoa ki roto ki te ahi, ki Ava o Iko.
Mit ihnen allen war es zu Ende, die hānau 'e'epe starben alle. Der Graben wurde aufgefüllt, und der gute Geruch der toten hānau 'e'epe erfüllte die Luft.
He pae ananake, he mā-mate te hānau 'e'epe; he tī-tika riva-riva te ava; he puko'u te nehe o te hānau 'e'epe mā-mate.
Nur drei Männer sprangen an den hānau mo-moko vorbei und überlebten. Sie flohen, und die hānau mo-moko verfolgten sie.
E toru nō i teki a ruŋa a te hānau mo-moko, i ora ai. He tē-tere mai, he tū-tute mai e te hānau mo-moko.
Die drei hānau 'e'epe, Vai, Ororoine und (...) genannt, gingen in eine Höhle. Die hānau mo-moko schlugen mit Stangen auf sie ein, und einer starb.
He o'o ki roto ki te 'ana a to-toru ŋāŋata hānau 'e'epe, ko Vai, Ororoine, he 'oka-'oka e te hānau mo-moko hai akauve, he mate e tahi.
Sie schlugen erneut zu, und ein zweiter Mann starb.
He 'oka-'oka haka 'ou, he mate ka rua taŋata.
Ein hānau 'e'epe überlebte. Sein Name war Ororoine. Er floh.
E tahi hānau 'e'epe i ora, ko Ororoine, he haka rere.
Als die hānau mo-moko erneut zuschlugen, rief der hānau 'e'epe aus dem Wasser: ¡Orro, orro, orro!.
E 'oka-'oka atu era te hānau mo-moko, he raŋi mai te hānau 'e'epe mai roto mai te vai ki te hānau mo-moko: ¡Orro, orro, orro!.
Es war die Sprache der hānau 'e'epe.
He vānaŋa o te hānau 'e'epe.
Die hānau mo-moko ließen ihn fliehen und sagten:
He haka rere e te hānau mo-moko, he kī te hānau mo-moko:
Lasst diesen Einwanderer fliehen, damit sein Volk Nachkommen hat!
Ka haka rere atu te hō'ou mo haka rahi o tō'ona o te mahiŋo!.
Er floh.
He haka rere.
Als die Nacht gekommen war, stieg der hānau 'e'epe aus dem Wasser und lief zum Ma'uŋa To'a-to'a. Er kam zum Haus einer Frau der hānau mo-moko, die Pipihoreko hieß. Ororoine blieb.
I pō era, he e'a mai roto mai te vai te hānau 'e'epe, he tere ki Ma'uŋa To'a-to'a, he tu'u ki te hare o te hānau mo-moko, te 'īŋoa ko Pipihoreko. I noho ai a Ororoine.
Er schlief mit der Frau der hānau mo-moko. In der Frau der hānau mo-moko, die von der Familie Haoa abstammte, wurde ein Junge gezeugt.
He moe ki te vi'e hānau mo-moko, he tupu te poki tama'aroa o roto o te vi'e hānau mo-moko, o te 'ure o Haoa.
Sie wurden viele – Hunderte.
He rahi te mahiŋo, ka kauatu, ka kauatu, ka rau, ka rau.
Ein Mann der hānau 'e'epe kam nach Tāhai.
He oho mai tētahi mahiŋo hānau 'e'epe ki Tāhai.
Dort setzte er sich nieder.
'I ira i [txt: I iri] noho ai.
Das Schiff des Kapitäns (James Cook) kam an. Der Kapitän sah den hānau 'e'epe und gab ihm ein Glas Wein und Essen. Er aß nicht und trank nicht.
He tomo mai te miro o Kape, he tike'a e te Kape i te hānau 'e'epe, he va'ai i te kaha 'ava, i te kai ki te kai ki te hānau 'e'epe; 'ina kai kai, 'ina unu i te 'ava.
Er nahm die Gaben nur entgegen und goss sich den Wein über den Kopf.
I to'o nō mai, he hopu, he huri ki te pū'oko i te 'ava.

König Tu'u Ko Ihu und die Moai kava-kava

Aufgezeichnet von Sebastián Englert
Korrigiert und in Rapa Nui abgetippt von Paulus Kieviet im Jahr 2008
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky im Jahr 2013

Moai kava-kava
Moai kava-kava

Abgesehen von König Hotu Matu'a sind die meisten Könige der Osterinsel recht unbekannt. König Tu'u Ko Ihu ist eine Ausnahme. Berühmt gemacht hat ihn vor allem die Erfindung der sogenannten Moai kava-kava (Rippen-Moai) – nackte Holzstatuen, deren Knochen hervortreten. Dies ist die Legende darüber, wie alles geschah.

Deutsch
Rapa Nui
Im Morgengrauen ging Tu'u Ko Ihu den Weg von Tore Tahuna entlang und kam nach Puna Pau.
He oho mai Tu'u Ko Ihu 'i te popohaŋa a te ara mai Tore Tahuna, he tu'u ki Puna Pau.
Er sah Hitirau und Nuko te Maŋō, wie sie schliefen.
He tike'a i a Hitirau, a Nuko te Maŋō, e ha'uru rō 'ā.
Der König blieb stehen; er sah genau hin; da war kein Fleisch, keine Leber, keine Eingeweide – nur Knochen.
He noho te 'ariki, he māroa; he u'i te mata, 'ina he kiko, 'ina he 'ate, 'ina he kōkoma, he ivi nō.
Hitirau lag mit dem Kopf nach rechts und Nuko te Maŋō mit dem Kopf nach links, den Fuß am Kopf von Hitirau.
Ko Hitirau te pū'oko a te mata'u, ko Nuko te Maŋō a te maui, he va'e a te pū'oko o Hitirau.
Der König schaute zu.
He u'i te 'ariki.
Ein 'aku-'aku namens Moaha rief vom Hügel, von Taŋaroa herab: Wacht auf, der König hat eure elenden Leiber gesehen.
He raŋi mai e tahi 'aku-'aku ko Moaha mai ruŋa mai te ma'uŋa, mai Taŋaroa: Ka 'ara kōrua, ku tike'a 'ā to kōrua ika kino e te 'ariki.
Er verschwindet, er verschwindet, der König Tu'u Ko Ihu geht fort.
'Ai ka ŋaro, 'ai ka ŋaro, he oho te 'ariki ko Tu'u Ko Ihu.
Er rief noch einmal: Wacht auf, ihr Schläfer!.
He raŋi haka 'ou mai: ¡Ka 'ara, rava hā'uru kē, kōrua!.
Sie wachten auf und riefen: Was?
He 'ara, he raŋi: ¿Pē hē rā?.
Tu'u Ko Ihu hat eure elenden Leiber gesehen.
Ku tike'a 'ā to kōrua ika kino e Tu'u Ko Ihu.
Als sie wieder erwachten, bekamen die Knochen ihr Fleisch zurück, und sie sahen aus wie lebendige Männer.
I 'ara haka 'ou era mai te ha'uru haŋa, he kiko haka 'ou te ivi era o ruŋa o te hakari, he tu'u pa he taŋata ora.
Sie gingen voraus, kehrten um und gingen auf den König zu.
He oho, he ao a mu'a, he pū a mu'a.
Der König sah die beiden guten Kameraden näher kommen.
He u'i atu te 'ariki, ka tata mai te repa riva e rua.
Sie grüßten: Sei gegrüßt, o König! Willkommen, o König!
He 'aroha mai: ¡'Auē te 'ariki ē! ¡Ka oho mai e te 'ariki ē!.
Der König rief: Gleichfalls, liebe Freunde!.
He raŋi atu te 'ariki: ¡Ko kōrua 'ā, ko māhaki!.
Der 'aku-'aku fragte: Was hast du gefunden, als du hierherkamst?
He 'ui mai te 'aku-'aku: ¿Pē hē ta'a me'e piri, i oho mai ena koe?.
Der König sagte: Nichts.
He kī atu te 'ariki: 'Ina.
Sie verschwanden, und so setzte Tu'u Ko Ihu seinen Weg fort.
He ŋaro, 'ai ka oho nō a te ara Tu'u Ko Ihu.
Vier junge Burschen begegneten dem König und riefen: Sei gegrüßt, lieber König, sei willkommen!.
He pū haka 'ou mai hoko hā repa riva, he raŋi mai: "¡'Auē te Riki ē, koho mai!".
Der König rief: Gleichfalls, Burschen, kommt doch näher!
He raŋi atu te 'ariki: ¡Ko kōrua 'ana ko ŋā kope, ka oho mai!.
Der 'aku-'aku fragte: Ay, ay, ay, ay; das, was du weißt!
He 'ui mai te 'aku-'aku: "¡Ai ai ai ai, ta'a me'e ma'a!".
Der König sagte: Nein, ich weiß nichts.
He kī atu te 'ariki: 'Ina, 'ina he me'e ma'a.
Der 'aku-'aku sagte wieder: Hast du wirklich nichts gefunden, o König, als du hierherkamst?
He kī haka 'ou mai te 'aku-'aku: ¿'Ina 'ō he me'e piri ki a koe e te 'ariki ē, i oho mai ena koe?.
Tu'u Ko Ihu sagte: Nein.
He kī atu Tu'u Ko Ihu: 'Ina.
Der König ging weiter. Wieder begegnete er jungen Burschen, die vor ihm standen. Der König sah, dass es zehn waren.
He oho haka 'ou te 'ariki, he pū haka 'ou mai a mu'a, he u'i atu te 'ariki ko te repa riva, e tahi te kauatu.
Er sagte: Willkommen, lieber König!
He 'aroha mai: ¡Ka oho mai, 'auē te 'ariki ē!.
Gleichfalls.
Ko kōrua 'ana.
Bist du keinen Burschen begegnet, als du hierherkamst?
¿'Ina ŋā io i piri atu ki a koe, i oho mai ena e te 'ariki ē?.
Der König sagte: Nein.
He kī atu te 'ariki: 'Ina.
Der 'aku-'aku sagte: Er hat unsere elenden Leiber nicht gesehen.
He kī te 'aku-'aku: 'Ina kai tike'a to tātou ika kino.
Sie verschwanden.
He ŋaro.
Der König ging weiter, und als er sich seinem Haus in Haŋa Poukura näherte, erschienen 'aku-'aku zu Hunderten, zu Tausenden.
He oho te 'ariki, he tupu'aki ki te hare o Haŋa Poukura, he tata mai ka rau, ka rau, ka rau, ka pīere te 'aku-'aku.
Sie rufen: Sei gegrüßt, lieber König! Willkommen zurück aus deinem Land, aus Tore Tahuna!
He raŋi mai: ¡'Auē te 'ariki ē, e Tu'u Ko Ihu ē, ka oho mai mai to'u kāiŋa, mai Tore Tahuna!.
Der König Tu'u Ko Ihu antwortete: Gleichfalls, liebe Leute!
He haka hoki atu te 'ariki a Tu'u Ko Ihu: ¡Ko kōrua 'ā, ka oho mai, 'auē, te mahiŋo ē!.
Bist du niemandem begegnet, lieber König?
¿'Ina 'ā me'e i piri ki a koe e te 'ariki ē?.
Nein.
'Ina.
Die 'aku-'aku lachten fröhlich, riefen fröhlich und verschwanden.
He ka-kata, he koa, he taŋi te karaŋa, he ŋaro te 'aku-'aku.
Der König kam zu seinem Haus in Haŋa Poukura, trat ein und legte sich schlafen.
He tu'u te 'ariki ki mu'a ki te hare o Haŋa Poukura, he uru ki roto ki te hare, he moe.
Die 'aku-'aku kamen wieder und blieben vor und hinter dem Haus und an beiden Enden des Hauses.
Ku oho haka 'ou mai 'ā te 'aku-'aku, ku noho mai 'ā 'i te 'aro o te hare, 'i mu'a, 'i tu'a, 'i te tara o te hare, ararua tara.
Sie lauschten auf Tu'u Ko Ihu.
He haka roŋo mai ki te vānaŋa o Tu'u Ko Ihu.
Er sprach nicht.
'Ina kai vānaŋa.
Sie warteten lange; die Sonne erreichte den Zenit.
He no-noho 'ā; he iri te ra'ā ka tini rō.
Der König sprach nicht.
'Ina kai vānaŋa te 'ariki.
Die 'aku-'aku sagten: Er hat die elenden Leiber von Hitirau und Nuko te Maŋō nicht gesehen; lasst uns diesen Ort verlassen.
He kī te 'aku-'aku: 'Ina kai tike'a te ika kino o Hitirau, o Nuko te Maŋō; matu tātou ki oho rō.
Das Ohr des Königs Tu'u Ko Ihu hörte dies.
E haka roŋo atu era te tariŋa o Tu'u Ko Ihu, o te 'ariki.
Die 'aku-'aku zogen ab, sie gingen fort. Hitiraus Gefolgsleute zerstreuten sich – Gefolgsleute zu Tausenden.
He paka te 'aku-'aku, he oho; he marere te pukuraŋa o Hitirau, ka pīere, ka pīere te pukuraŋa.
Der König schlief.
He ha'uru te 'ariki.
Ein neuer Tag brach an. Der Nachmittag kam.
He tu'u te ra'ā, he taha te ra'ā.
Der Diener des Königs sah die Kleider des Königs auf dem Boden und die geschlossene Tür.
He tike'a e te tu'ura o te 'ariki, hokotahi nō ko te kahu mea, ku viri 'ā te papae.
Er verstand, dass König Tu'u Ko Ihu im Haus schlief.
He aŋi-aŋi, he 'ariki ko Tu'u Ko Ihu ha'uru 'i roto i te hare.
Der Diener machte ein Feuer, um Yamswurzeln und Süßkartoffeln zu garen.
He oho tou taŋata era, he tu'ura, he puhi te 'umu, he kā, he ta'o i te 'uhi, i te kūmara.
Bei Sonnenuntergang öffnete der Diener die Kochgrube, legte das Essen in ein Gefäß und brachte es in das Haus des Königs: He, lieber König, nimm das und iss!.
'I te ahi-ahi he ma'oa, he 'apa ki roto ki te tāropa, he to-toi, he oho mai, he haka uru ki te 'ariki: "Hē koe, e te 'ariki ē, ¡ka to'o, ka kai!".
Er setzte sich und aß. Die Nacht brach herein, und der König schlief.
He noho, he kai; he pō; he ha'uru te 'ariki.
Es dämmerte; der König erwachte.
He popohaŋa; he 'ara te 'ariki.
Der Diener machte erneut Feuer. Als die Sonne im Zenit stand, brachte er dem König das Essen hinein.
He puhi haka 'ou te 'umu e te tu'ura; he tini te ra'ā; he haka uru haka 'ou i te 'umu ki te 'ariki.
Der König aß.
He kai te 'ariki.
Es war Sonnenuntergang, und die Sonne war rot.
He ahi-ahi, ku mea-mea 'ā te ra'ā.
Der König ging hinaus, zum Eingang des Hauses.
He e'a te 'ariki ki haho ki te haha o te hare.
Er saß draußen und sah drei junge, schöne Frauen.
He noho o haho, he u'i atu ko te uka e toru, uka riva.
Sie kamen von der Ecke des Ahu von Haŋa Poukura.
He oho mai mai te tara o te ahu o Haŋa Poukura.
Der König sah, dass sie keine Kleider trugen.
He u'i atu te 'ariki, 'ina he kahu.
Sie kamen näher, bis sie vor dem König standen.
He oho mai, he tu'u mai ki mu'a ki te 'aro o te 'ariki.
Der König grüßte: Willkommen, Freundinnen, ihr schönen Freundinnen mit reinem Herzen!
He 'aroha te 'ariki: "¡Koho mai kōrua ko ŋā kope, ka ma'itaki kōrua ŋā kope!".
Die schönen jungen Frauen antworteten: Dem König ebenso.
He haka hoki mai te uka riva: Ko te 'ariki 'ana.
Tu'u Ko Ihu sagte: Wohin geht ihr, Freundinnen?
He kī Tu'u Ko Ihu: ¿Ki hē kōrua ko ŋā kope?.
Die schönen Frauen sagten: Zu dir, o König!.
He kī mai te uka riva: "¡Ki a koe nei e te 'ariki ē!".
Der König fragte: Wie heißt ihr?.
He 'ui atu te 'ariki: ¿Ko ai to kōrua 'īŋoa?.
Die älteste der schönen Frauen sagte: Ich bin Pa'a-pa'a Hiro.
He kī mai te uka riva 'atariki: Au ko Pa'a-pa'a Hiro.
Die zweite: Pa'a-pa'a Kiraŋi.
Te rua: Pa'a-pa'a Kiraŋi.
Die dritte junge Frau: To'o Tahe Turu mai te Raŋi.
Te toru uka: Ko To'o Tahe Turu mai te Raŋi.
Sie verschwanden hinauf in die Luft.
He ŋaro, a to-toru uka a ruŋa i ŋaro ai.
Die Nacht brach herein; der König legte sich schlafen.
He pō; he moe te 'ariki.
Am Mittag hörte der König, dass in 'Akahaŋa eine Speisezeremonie stattfand.
He 'ōtea; he haka roŋo te 'ariki, ku puhi 'ana te 'umu o 'Akahaŋa.
Der König machte sich auf den Weg und kam nach 'Akahaŋa.
He oho te 'ariki, he tu'u ki 'Akahaŋa.
Er nahm die heißen Steine aus der Grube, nahm das Holz und warf es zur Seite.
He uru te 'umu, he ketu i te tū-tuma, he hoa ki te tapa.
Der König rief den Leuten zu: Diese müssen mit mir kommen; gießt Wasser über sie!
He raŋi te 'ariki ki te taŋata: ¡Ka oho te me'e era ka pū-pū [txt: pūpú "rociar" - should this be rū-rū, or pī-pī?] hai vai!.
Das Feuer wurde gelöscht. Der König nahm das Brennholz, das für die Kochgrube bestimmt war, und lud es sich auf die Schulter. Er ging nach Haŋa Poukura.
He mate te ahi, he to'o mai te 'ariki i te tū-tuma kā ki te 'umu, he 'amo ki te ŋao, he oho ki Haŋa Poukura.
Am Abend ging der König von Haŋa Poukura nach Tore Tahuna.
'I te pō he oho te 'ariki mai Haŋa Poukura ki Tore Tahuna.
Er betrat das Haus und legte sich schlafen. Am Mittag nahm er den kautoki und hielt ihn in der Hand. Er nahm das Toromiro-Holz und schnitzte die Augen, er schnitzte die Nase, er schnitzte die Ohren, er schnitzte die Kehle, er schnitzte den Rumpf, er schnitzte die Hände, er schnitzte den Bauch, er schnitzte die Rippen, er schnitzte die Oberschenkel, er schnitzte die Schultern, er schnitzte die Knie, er schnitzte die Fersen, und er schnitzte die Füße.
He o'o ki roto ki te hare, he moe; he 'ōtea; he to'o te kautoki, he ma'u ki te rima, he to'o mai i te toromiro he tarai i te mata, he tarai i te ihu, he tarai i te tariŋa, he tarai i te ŋao, he tarai i te uma, he tarai i te rima, he tarai i te kōpū, he tarai i te kava-kava, he tarai i te hūhā, he tarai i te papakona, he tarai i te taki 'eve, he tarai i te uho 'eve, he tarai i te hoto, he tarai i te horeko, he tarai i te puku, he tarai i te va'e.
Der König sah, dass der erste mōai Hitirau war, der mōai kava-kava.
He u'i te 'ariki, ko Hitirau te mōai ra'e, mōai kava-kava.
Er machte einen weiteren: Nuko te Maŋō, den mōai kava-kava.
He aŋa haka 'ou: ko Nuko te Maŋō, mōai kava-kava.
Er machte einen weiteren: Pa'a-pa'a Hiro.
He aŋa haka 'ou: ko Pa'a-pa'a Hiro.
Er schnitzte einen weiteren: Pa'a-pa'a Kiraŋi.
He tarai haka 'ou: Pa'a-pa'a Kiraŋi.
Er schnitzte einen weiteren mōai: To'o Tahe Tu'u mai te Raŋi.
He tarai haka 'ou i te mōai: To'o Tahe Tu'u mai te Raŋi.
Der König nahm einen Faden aus Mahute, flocht ihn und führte ihn unter beiden Achseln der Moai hindurch
He to'o mai te 'ariki i te hau, hau mahute, he hiro, he haka uru a roto a te ha'iŋa ararua o te mōai.
Er ließ die Moai an dem Faden hängen.
He tau i te mōai, he haka re-reva.
Er nahm noch mehr Faden. Er band einen Faden an die Kehle der Moai und einen weiteren an die Füße.
He to'o haka 'ou mai i te hau; he here e tahi hau ki te ŋao o te mōai, e tahi hau ki te va'e.
Sie hingen gerade in einer Reihe. Zog man mit der Hand an den Fäden, gingen die Moai.
He papa, he haka uŋa; he haro mai e tahi potu o te hau, he ma'u ki te rima, he haka ha'ere i te mōai.
Das Haus erhielt den Namen: Das Haus, in dem die Moai zum Gehen gebracht werden.
He nape te 'īŋoa o te hare: Ko te hare haka ha'ere mōai.
Leute kamen und erzählten es anderen weiter: Im Haus des Königs Tu'u Ko Ihu gehen die Moai.
He oho mai te taŋata, he 'a'amu ki tētahi taŋata; ku ha'ere 'ā te mōai 'i roto i te hare o te 'ariki o Tu'u Ko Ihu.

Der Tod von König Hotu Matu'a

Aufgezeichnet von Sebastián Englert
Korrigiert und in Rapa Nui abgetippt von Paulus Kieviet im Jahr 2008
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky im Jahr 2013

Deutsch
Rapa Nui
König Hotu Matu'a lebt in Akahanga, wo alle mit Wasser arbeiten.
He noho te 'ariki tama'aroa ko Hotu Matu'a 'i 'Akahaŋa, ananake te mahiŋo e aŋa i te vai.
Der erste Sohn von Hotu Matu'a ist Tu'u Maheke, der zweite Sohn ist Miru te Matanui, der dritte Sohn ist Tu'u te Matanui und der vierte Sohn ist Hotu 'Iti te Mata'iti.
Te poki ra'e 'a Hotu Matu'a ko Tu'u Maheke, te rua poki ko Miru te Matanui, te toru poki ko Tu'u te Matanui, te hā poki ko Hotu 'Iti te Mata'iti.
Der König ist alt geworden, also steigt er auf den Vulkan, um dort zu bleiben.
Ku korohu'a 'ā te 'ariki, he iri ki te rano, he noho 'i te rano.
Der Name des Hauses ist Te Vare te Reiŋataki.
Te 'īŋoa o te hare ko Te Vare te Reiŋataki.
He to'o mai i te mā'ea ha-hati, he hono i te mā'ea ha-hati, he kī te 'ariki: "Ko te mā'ea hono 'a Hotu Matu'a"
Dies ist sein letztes Werk1. Der König leidet Schmerzen.
Aŋa mauŋa. He mamae te 'ariki.
Leute kommen; zuerst zu Hunderten, dann zu Tausenden.
He oho mai te mahiŋo, ka rau, ka rau, ka pīere, ka pīere.
Der König sagt zu seinen Söhnen: Kommt näher, ich sterbe.
He kī te 'ariki ki tā'ana ŋā poki: Ka oho mai kōrua ananake, he mate au.
Die Söhne kommen näher. Sie erreichen Hotu Matu'a und begrüßen ihn.
He oho mai te ŋā poki, he tu'u ki a Hotu Matu'a, he 'aroha.
Der König sagt: Wer bist du?.
He kī te 'ariki: ¿Ko ai koe?.
Der älteste Sohn sagt: Ich bin es – Tu'u Maheke.
He kī te poki 'atariki: Ko au nei, ko Tu'u Maheke.
Der König sagt: Nichts wird dir je etwas anhaben, mein Erstgeborener! Viel ist der Sand in Anakena, in deinem Land. Viele sind die Flöhe in deinem Land.2
He kī te 'ariki: ¡'Ina koe e ko rava'a, e te 'atariki ē! 'One nui 'i 'Anakena, 'i tō'ou kāiŋa, kō'ura nui 'i tō'ou kāiŋa.
Der Erstgeborene verlässt das Haus. Der zweite Sohn, Miru te Matanui, tritt ein und grüßt.
He e'a te poki 'atariki ki haho, he uru te rua poki, ko Miru te Matanui, he 'aroha.
Der König sagt: Wer bist du?.
He kī te 'ariki: ¿Ko ai koe?.
Er sagt: Ich bin es, Miru te Matanui, Sohn von Hotu Matu'a.
He kī: "Ko au nei, ko Miru te Matanui 'a Hotu Matu'a".
Der König sagt: Nichts wird dir je etwas anhaben, damit du für dein Volk sorgen kannst.
He kī te 'ariki: 'Ina koe e ko rava'a, mo rō'ou o tō'ou mahiŋo.
Der zweite Sohn verlässt das Haus.
He e'a ki haho te rua poki.
Der dritte Sohn, Tu'u te Matanui, tritt ein und grüßt.
He uru te toru poki, ko Tu'u te Matanui, he 'aroha.
Der König sagt: Wer bist du?.
He kī te 'ariki: ¿Ko ai koe?.
Er sagt: Ich bin es, Tu'u te Matanui, Sohn von Hotu Matu'a.
He kī: Ko au nei, ko Tu'u te Matanui 'a Hotu Matu'a.
Der König sagt: Nichts wird dir je etwas anhaben. Viele sind die Kiesel in Hanga Tepau, viele sind die Muscheln in Te Hue..
He kī mai te 'ariki: 'Ina koe e ko rava'a, kī-kiri nui 'i Haŋa Tepau, pipi nui 'i Te Hue.
Der Sohn verlässt das Haus.
He e'a te poki.
Der jüngste Sohn, Hotu 'Iti te Mata'iti, tritt ein und grüßt.
He uru te haŋupotu ko Hotu 'Iti te Mata'iti, he 'aroha.
Der König fragt: Wer bist du?.
He 'ui mai te 'ariki: ¿Ko ai koe?.
Er sagt: Ich bin es, Hotu 'Iti te Mata'iti, Sohn von Hotu Matu'a.
He kī atu: Ko au, ko Hotu 'Iti te Mata'iti 'a Hotu Matu'a.
Der König umarmt ihn und küsst ihn auf beide Wangen.
He teki, he hoŋi i te kukumu, ararua pā'iŋa.
Der König weiß, dass er ein guter Sohn ist, ein starker Sohn.
He aŋi-aŋi e te 'ariki poki riva-riva, poki hio-hio.
Der König sagt: Nichts wird dir je etwas anhaben, lieber Hotu 'Iti, lieber te Mata'iti, Sohn von Hotu Matu'a! Es gibt niuhi tapaka'i in Motu Tōremo in Hiva und in deinem Land!.3
He kī te 'ariki: "¡'Ina koe e ko rava'a e Hotu 'Iti ē, e te Mata'iti 'a Hotu Matu'a ē! He niuhi tapaka'i 'i Motu Tōremo Hiva 'i to'u kāiŋa".
Der König sagt: Setzt euch hierher, meine Söhne, an mein Haupt, an meine Füße und an meine Seite.
He kī te 'ariki: Ka no-noho mai kōrua tā'aku ŋā poki, 'i tō'oku pu'oko, 'i tō'oku va'e, 'i te kao-kao.
Sie setzen sich.
He no-noho.
Der König sagt zu einem Adoptivsohn: Geh nach Huareva und hole das letzte Wasser, das ich je trinken werde. Wenn ich dieses Wasser trinke, werde ich sterben.
He kī te 'ariki ki tā'ana mā'aŋa hāŋai tama'aroa: Ka oho koe ki Huareva4 ki te vai mouŋa mā'aku mo unu. Ana unu au i te vai era, he mate au.
Er geht Wasser holen und bringt es zurück. Er betritt das Haus und stellt das Wasser ab.
He oho, he to'o i te vai, he 'u-'utu i te vai, he ma'u, he oho ki roto ki te hare, he haka rere i te vai.
König Hotu Matu'a sagt: Helft mir beim Trinken!.
He kī te 'ariki o Hotu Matu'a: ¡Ka haka unu mai!.
Als sie ihm beim Trinken halfen, schluckte er das Wasser hinunter in den Magen.
I haka unu era, he horo i te vai ki roto ki te manava.
Der König spricht noch einmal: Lasst eure Ohren meine letzten Worte hören; ich werde nach Hiva rufen – zu unserer Heimat und ihrem König.
He kī haka 'ou te 'ariki: Ka haka roŋo mai to kōrua tariŋa ki tā'aku vānaŋa mouŋa; he raŋi au ki Hiva, ki te kāiŋa, ki te 'ariki.
Die Söhne sagen es allen.
He kī te ŋā poki ki te mahiŋo ananake.
Der König ruft nach Hiva: Oh, Kuihi und Kuaha! Singt mir etwas mit der Stimme des Hahns von Ariaŋe!.
He raŋi te 'ariki ki Hiva: ¡E Kuihi, e Kuaha! ¡Ka haka 'o'oa 'iti-'iti mai koe i te re'o o te moa o Ariaŋe!.
Der Hahn kräht. Die Stimme des Hahns erreicht dieses Land von Hiva aus: 'O'oa take heu-heu.
He 'o'oa mai te moa, mai Hiva, ka tu'u rō mai te re'o o te moa ki te kāiŋa nei: 'O'oa take heu-heu.
Der König stirbt.
He mate te 'ariki.
Dies waren die letzten Worte des Königs Hotu Matu'a.
Vānaŋa mouŋa o te 'ariki o Hotu Matu'a.

1) Im Original steht mauŋa (Hügel/Berg/Vulkan), gemeint ist aber wahrscheinlich mouŋa (letztes).

2) Die „Flöhe“ sind im übertragenen Sinne gemeint, so wie bei „kō'ura tere henua“ (auf der Erde wandelnde Flöhe) – gemeint sind wir Menschen, die über die Erde gehen. König Hotu Matu'a meint, dass das Volk von Tu'u Maheke so zahlreich sein wird wie die Sandkörner in Anakena.

3) Ein niuhi ist eine Fischart, die ungewöhnlich mutig ist. Die Bedeutung des Wortes tapaka'i ist unbekannt. Offenbar vergleicht der König seinen jüngsten Sohn mit diesem mutigen Fisch und sagt, dass es ihn in dem Teil von Rapa Nui gibt, der Hotu 'Iti heißt – dem Land, das diesem gleichnamigen Sohn zugeteilt wurde.

4) Huareva ist ein Ort zwischen 'Akahaŋa und Vaihū, an dem ein Brunnen gegraben worden war.

König Tangaroa aus Hiva, der als Robbe nach Rapa Nui kam, und sein Bruder Hiro

Aufgezeichnet von Fritz Felbermayer
Korrigiert und in Rapa Nui abgetippt von Paulus Kieviet im Jahr 2008
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky im Jahr 2013

Tangaroa ist eine Gestalt, die in mehreren polynesischen Kulturen vorkommt. In den Legenden von Rapa Nui erscheint er als König aus Hiva, der das Land Rapa Nui in Gestalt einer Robbe erreicht. Er hat einen Bruder namens Hiro. Beide Brüder besitzen starke magische Kräfte.

Deutsch
Rapa Nui
König Tangaroa und sein Bruder Hiro lebten in Hiva.
'I Hiva te nohoŋa o te 'ariki ko Taŋaroa rāua tō'ona taina ko Hiro.
Beide Brüder besaßen Mana.
Ararua taina e ai rō 'ā te mana.
Tangaroa hatte eine Verkleidung aus Fischschuppen, einem Schildkrötenschädel und Robbenfell.
A Taŋaroa e ai rō 'ā te nua 'ūnahi ika, pakahera honu, e kiri pakia.
Hiro legte eine Verkleidung aus Vogelfedern an.
A Hiro he uru i te nua huru-huru manu.
Die beiden Brüder kämpften jeden Tag erbittert miteinander.
Ararua taina me'e haka kē te rava tātake, te mahana te mahana.
Wenn Tangaroa gewann, wurde die See rau.
Ana rē Taŋaroa, he rake-rake te vaikava.
Die See wurde rau.
He ketu te vaikava.
Blitze zuckten, und es donnerte.
He 'anapa te 'uira, he heruru te hatutiri.
Tangaroas Macht war die des Meeres.
Te mana o Taŋaroa mo te vaikava.
Wenn Hiro gewann, klarte der Himmel auf.
Mo rē o Hiro, he ma'itaki te mahana.
Hiros Macht war die des Landes.
Te mana o Hiro mo ruŋa i te henua.
Eines Tages sagte Tangaroa zu Hiro:
E tahi mahana he kī Taŋaroa ki a Hiro:
Ich werde als Thunfisch ins Meer gehen. Ich werde in ein neues Land ziehen, um dort als König zu herrschen.
He uru au ki roto i te vaikava pa he kahi. He oho au ki te henua e tahi mo 'ariki.
Der Bruder antwortete:
He haka hoki atu te taina:
Geh nicht in ein fernes Land, sonst wirst du sterben.
'Ina koe ko oho ki te henua roa 'o mate rō.
Tangaroa sagte: Nein. Ich werde dieses Land erreichen und noch am selben Tag zurückkehren, wenn sie mich nicht mögen.
He kī Taŋaroa: 'Ina. E tu'u nō ki rā henua mo oho e hoki mai 'anīrā nei 'ā, ana ta'e haŋa mai ki a au.
Hiro wurde wütend, und die beiden Brüder begannen wieder zu kämpfen.
He riri Hiro, he rake-rake haka 'ou ararua taina.
Tangaroa gewann.
I a Taŋaroa i rē ai.
Tangaroa ging ins Wasser und verwandelte sich in einen Thunfisch.
He uru Taŋaroa ki roto i te vai, he haka riro pa he kahi.
Er schwamm zum Nabel der Welt.
He kau ki Te Pito o te Henua.
Er erreichte eine Stelle, an der er sich in eine Schildkröte verwandelte.
E oho era i tano era te roa, he haka riro pa he honu.
Er schwamm weiter. Als er den Nabel der Welt erreichte, verwandelte er sich in eine Robbe.
He kau haka 'ou, i tu'u era ki Te Pito o te Henua, he haka riro pa he pakia.
Er näherte sich Hotu 'Iti und schwamm (in die Bucht) vor dem Ahu Tongariki.
He hāhine a Hotu 'Iti, he tomo a mu'a o te Ahu Toŋariki.
Als er hineinschwamm, versammelten sich die Leute am Ufer.
I tomo atu era, he oho mai te taŋata he taka-taka 'i te tapa o te vaikava.
Eine Nachricht wurde an die Leute von Tongariki und Poike geschickt.
He uŋa he hā'aki ki te taŋata o Toŋariki, o Pōike.
Eine Nachricht wurde an die Leute von Tongariki geschickt. Die Leute von Orongo wurden gerufen.
He uŋa he hā'aki ki te taŋata o Toŋariki, he ohu ki te taŋata o 'Ōroŋo.
Die Leute von Tongariki sagten:
He kī te taŋata o Toŋariki:
Eine Robbe ist vor dem Ahu Tongariki hereingeschwommen. Sie hat den Körper einer Robbe, den Schwanz einer Robbe, den Kopf eines Menschen und die Hände eines Menschen.
Ku tomo 'ā te pakia a mu'a i te ahu Toŋariki. Hakari pakia, hiku pakia, pū'oko taŋata, rima taŋata.
Sie zogen ihn an Land, um ihn zu töten.
He to-toi mai ki 'uta mo tiŋa'i.
Die Robbe rief:
He raŋi mai te pakia:
Ich bin keine Robbe. Tötet mich nicht. Ich bin ein König namens Tangaroa.
Ta'e au he pakia. 'Ina ko tiŋa'i mai. He 'ariki au ko Taŋaroa.
Die Leute jubelten: Es ist eine Robbe mit der Stimme eines Menschen.
He vo'u te karaŋa 'i te taŋata: Pakia re'o taŋata.
Sie töteten ihn mit einem Stein und schleppten ihn landeinwärts.
He tiŋa'i hai mā'ea, he to-toi mai ki 'uta.
Sie gruben einen großen Erdofen.
He keri te 'umu ko tetu.
Sie bliesen, und der Ofen wurde entzündet. Sie legten das Robbenfleisch in die Grube, um es zu garen.
He puhi te 'umu, he tutu, he uru, he ta'o te kiko pakia.
Der Erdofen wurde mit Erde bedeckt.
He tanu te 'umu hai 'ō'one.
Sie warteten lange, bevor sie den Erdofen öffneten.
He tiaki ka roa te nohoŋa, he ma'oa te 'umu.
Sie sahen, dass das Fleisch dieser Robbe noch roh war.
He u'i, e ora nō 'ā te kiko o tou pakia era.
Sie brachten sie an einen anderen Ort und bereiteten noch einmal einen Erdofen vor.
He ma'u ki te kona kē, he ta'o haka 'ou.
Als sie den Erdofen öffneten, sahen sie, dass das Fleisch fast roh war. Es war nicht gar.
I ma'oa era, he u'i, re'e-re'e 'ā te kiko. 'Ina kai 'ō'otu.
Der Ort wurde Re'e genannt.
He nape ko Re'e.
Sie brachten sie an einen anderen Ort, um sie in einem Erdofen zuzubereiten.
He tari haka 'ou mo ta'o 'i roto i te 'umu.
Sie warteten, bis die Zeit gekommen war, und deckten dann den Erdofen auf.
He tiaki ka tano rō, he ma'oa te 'umu.
Sie schauten nach und sahen, dass es nicht gar geworden war. Das Fleisch war roh, es war nicht gar.
He u'i, kai 'ō'otu, 'i-'ino te kiko, kai 'ō'otu.
Der Ort, an dem der Erdofen bereitet worden war, wurde 'Ī-'ī genannt.
He nape ko 'Ī-'ī te kona ta'o 'umu.
Sie begriffen, dass sie sich geirrt hatten.
He aŋi-aŋi pē nei ē: ku hape 'ā rāua.
Sie sagten:
He kī te taŋata:
Jetzt ist es wirklich klar – er war ein König. Er war Tangaroa, keine Robbe; das Fleisch wird nicht gar.
He aŋi mau 'ā pē nei ē: he 'ariki. Ko Taŋaroa, ta'e he pakia; te kiko kai 'ō'otu.
Als Tangaroa nicht nach Hiva zurückkehrte, kam Hiro hierher, um nach Tangaroa zu suchen.
I ta'e tu'u haka 'ou era Taŋaroa ki Hiva, he oho mai Hiro kimi i a Taŋaroa.
Dank seiner langen Beine erreichte er den Nabel der Welt mit nur sieben Schritten.
'I te va'e ro-roa, e hitu nō rao haŋa i tu'u rō mai ai ki Te Pito o te Henua.
Als er in diesem Land ankam, rief er:
I tu'u era ki te henua nei, he ohu:
Wo ist mein Bruder Tangaroa?
¿'I hē tō'oku taina ko Taŋaroa?
Die Männer von Tongariki, Poike und Orongo versteckten sich.
He kio te taŋata o Toŋariki, te taŋata o Pōike, te taŋata o 'Ōroŋo.
Er setzte einen Fuß auf das Land.
He rao e tahi va'e a ruŋa i te henua.
Er verließ den Nabel der Welt.
He oho rō 'ai mai Te Pito o te Henua.
Er war so groß, dass sein Kopf die Sonne verdeckte, als er den Fuß auf den Boden setzte.
He taŋata nui-nui, te va'e 'i ruŋa i te henua 'ā, te pū'oko ku poā 'ā ki te raŋi.
Er suchte nach seinem Bruder, er ging fort und kehrte nie zurück.
He kimi he oho i te tō'ona taina, kai reva-reva haka 'ou mai.

Makemake erschafft den Menschen

Aufgezeichnet von Sebastian Englert
Erzählt von Arturo Teao Tori
Ins Englische übersetzt von Marcus Edensky im Jahr 2014

Dies ist die Legende davon, wie der Gott Makemake den Menschen erschuf.

Deutsch
Rapa Nui
Makemake war allein; das war nicht gut.
He noho Make-Make hokotahi nō, 'ina kai riva.
Er nimmt ein Wassergefäß und schaut hinein.
He to'o mai i te kaha vai, he u'i a roto a te kaha vai.
Makemakes Schatten fiel ins Wasser.
He o'o te kohu o Make-Make ki roto ki te vai.
Makemake sah, wie der Schatten seines Gesichts ins Wasser gefallen war.
He u'i Make-Make ko tō'ona kohu 'āriŋa ku o'o 'ā ki roto ki te vai.
Makemake grüßt und sagt zu seinem Schatten: „Sei gegrüßt, Freund! Wie schön du bist, ganz wie ich“.
He kī Make-Make, he 'aroha ki tō'ona kohu: "¡'Auē repa hē! Ka ma'itaki koe ki a au".
Ein Vogel setzte sich auf Makemakes rechte Schulter.
He papakina mai te manu ki te hoto mata'u o Make-Make. He veveri Make-Make, he u'i me'e ŋutu me'e karā, me'e huru-huru.
Makemake erschrak und sah, dass es ein Wesen mit Schnabel, Flügeln und Federn war.
He veveri Make-Make, he u'i me'e ŋutu me'e karā, me'e huru-huru.
Makemake vereinte den Vogel mit dem Schatten und ließ ihn frei.
He to'o mai e Make-Make, he haka piri, he haka rere.
Makemake setzte sich und dachte darüber nach, den Menschen zu erschaffen – den Menschen ihm ähnlich zu machen, ihm eine Stimme zu geben und ihn sprechen zu lassen.
He noho, he mana'u Make-Make mo aŋa i te taŋata, mo tu'u pē ia, mo rere mai o te re'o, mo vāna-vanaŋa.
Makemake befruchtete die Felsen, doch das Ergebnis war nicht gut – es war ein Fehlschlag.
He tuki Make-Make ki roto ki te mā'ea: 'ina kai riva-riva; iho-iho kiko mea, me'e rake-rake.
Er befruchtete erneut – diesmal das Wasser. Daraus entstand der Fisch Paroko.
He tuki haka 'ou ki roto ki te vai; i ava, i pāro-paroko.
Er befruchtete erneut – diesmal die Erde. Der Mensch wurde geboren.
He tuki haka 'ou Make-Make ki te 'ō'one rapo; he poreko mai te taŋata.
Makemake sah, dass das Ergebnis gut war.
He u'i Make-Make ku riva-riva 'ā.
Makemake sah genauer hin und erkannte, dass das Ergebnis nicht genügte, denn der Mann war allein.
He u'i haka 'ou Make-Make kai riva-riva i horeko.
Er ließ den Mann in seinem Haus schlafen.
He haka ha'uru i te taŋata 'i roto i te hare.
Als er schlief, kam der Gott Makemake und befruchtete die Rippen der linken Seite.
Ki ha'uru he oho atu te 'Atua a Make-Make, he tuki ki roto ki te kava-kava maui.
Eine Frau wurde geboren.
He poreko mai te vi'e.
Makemake sagte: „¡Vivina, vivina, haka piro e ahu ē!“.
He kī a Make-Make: "¡Vivina, vivina, haka piro e ahu ē!".